"Eine Reise nach Berlin mit edlen Tönen"

02.12.2004 Instrumentalsolisten
Thomas Fichtinger, Reinhard Wieser u. Sonja Hochgötz
Thomas Fichtinger, Reinhard Wieser u. Sonja Hochgötz

Ein persönlicher Reisebericht von Reinhard Wieser anlässlich des 4. Klarinetten-Symposiums der Deutschen Klarinettengesellschaft (DKG).

Vom 1. bis 3. Oktober fand in Berlin das 4. Klarinetten-Symposium der Deutschen Klarinettengesellschaft (DKG) statt. Es hatte den Titel „Faszination Klarinette“ und beinhaltete auch eine Ausstellung (300 Jahre Klarinette), in der viele seltene Exponate zu sehen waren.

Die DKG veranstaltet solche Symposien in zweijährigem Rhythmus. Ähnlich wie andere Klarinettengesellschaften (wie etwa die „International Clarinet Society“ ICA, oder deren englisches Pendant „CASS“) setzt sie sich mit Forschung, Literatur, Aufnahmen, Lehre, Kompositionen und vielem mehr rund um die Klarinette auseinander. Es wird auch großer Wert auf einen internationalen Zugang gelegt, die Vielfalt der Klarinettenstile ist der Gesellschaft sehr wichtig.

Zu den Symposien werden neben bekannten Solisten, Komponisten und Forschern auch Universitätsklassen eingeladen zu konzertieren. Dieses Jahr gab es Vorträge unter anderem von Dieter Klöcker und Nicolas Shackleton, die Schirmherrschaft über diese Veranstaltung hatte einer der Doyens der Klarinettenszene, Alan Hacker. Ebenso wurde eine Messe rund um die Ausstellung präsentiert, namhafte Firmen und Werkstätten, unter ihnen auch der Wiener Blätterhersteller Peter Leuthner, waren dort mit ihren Produkten vertreten.

Wir konnten der Einladung zum Konzert heuer erstmals Folge leisten, was uns große Freude bereitete. Wir erhielten so die Möglichkeit zu spielen, sowie in sehr kurzer Zeit eine Vielzahl von anderen Konzerten und Vorträgen zu hören. Dies ist sowohl für Studierende als auch Lehrende sehr bereichernd. Unsere „Stamm-Korrepetitorin“ Sandra Jost konnte uns glücklicherweise auf die Reise begleiten, sonst wäre dieses schwierige Programm nicht möglich gewesen. Auch hat das Konservatorium Wien unsere Reise nicht nur ideell, sondern auch finanziell unterstützt, wofür wir uns an dieser Stelle sehr herzlich bedanken möchten.

Das Symposium hatte seinen Platz im sehr schönen Ausstellungsforum des Musikinstrumentenmuseums Berlin. Die unmittelbare Nähe zur Philharmonie Berlin sorgte für eine sehr gute, „künstlerische“ Atmosphäre. Dort waren im Rahmen der erwähnten Ausstellung viele Raritäten zu sehen, welche die Geschichte der Klarinette repräsentieren. Von den ersten Instrumenten der Familie Denner (die quasi die Erfinder der Klarinette waren) bis zu Bassetthörnern von Anton Stadlers (Mozarts Lieblingsklarinettist) Instrumentenmacher Lotz waren wunderbare Stücke zusammengetragen. (Unter anderem noch Instrumente von Grenser, Griesling & Schlottz und Breitwolf)

Die Klarinette ist ja bekanntlich aus dem Chalumeau entwickelt worden, dieses hatte einen Tonumfang von nur etwa eineinhalb Okaven. Erst durch die Anbringung der Duodezimklappe wurde das Chalumeau zur Klarinette, diese Erfindung wird Johann Christoph Denner zugeschrieben. Diese Entwicklungen konnte man in der Ausstellung sehr gut nachvollziehen.

Kurz nach der offiziellen Eröffnung des Symposions spielte die Klasse von Prof. Francois Benda (Universität der Künste Berlin) das Eröffnungskonzert. Es hatte den Titel „Kind of Jazz“, die Stücke waren eine Auswahl aus Konzerten oder Solostücken, die mit Jazz zu tun hatten, etwa das Konzert für Klarinette und Streichorchester von Aaron Copland, das für Benny Goodman geschrieben wurde. Das Niveau der Darbietungen war sehr hoch, auch das Publikum war begeistert.

Danach gab es ein Komponistenforum, das die Werke dreier Komponisten von Klarinettenstücken beleuchtete. Andreas Salm, Werner Heinrich Schmitt und Kurt Dietmar Richter haben alle drei schon viele Werke für Klarinette geschrieben, einige davon waren auch auf dem Symposium zu hören.

Als nächstes konzertierten die Klassen Prof. Joachim Klemm (Dresden) und Prof. Wolfgang Mäder (Leipzig). Besonders die Klasse von Prof. Klemm fiel durch erstklassig gespielte Arrangements auf, etwa von Bernsteins Candide Ouverture oder durch ein James Bond Medley. Die Klasse von Prof. Mäder spielte die Suite für vier Saxophone von Jean Francaix in der Fassung für Klarinettenquartett sehr eindrucksvoll und virtuos.

Nach zwei weiteren Vorträgen folgte dann ein weiterer Höhepunkt. Die Bläser der Berliner Philharmoniker interpretierten Musik von W. A. Mozart, darunter die berühmte „Dreizehn Bläser Serenade“ KV 361. Davor hörten wir noch zwei der Divertimenti KV 439 sowie das Adagio KV 411 für drei Klarinetten und zwei Bassetthörner. Es wurde hier Bläserkammermusik auf allerhöchstem Niveau geboten, trotz der besonderen Schwierigkeit des Programms vor allem für die Klarinettisten. Diese hatten mehrfache Wechsel vom Bassetthorn zur Klarinette zu bewältigen - jeder Bläser weiß, daß dies keine leichte Aufgabe ist.

In weiterer Folge konzertierte noch das Trio des Klarinettisten Helmut Eisel (mit Gitarre und Kontrabass), auch dies war ein besonderes Konzert. Besonders die Pianissimo Effekte, die Eisel aus seiner Klarinette zauberte, beeindruckten uns sehr.

Am zweiten Tag des Symposions spielte das Ensemble Clarinesque, dann wurde Literatur für den Elementarunterricht präsentiert. Es gab Vorträge von Alan Hacker über das Klarinettenkonzert von Mozart, sowie vom Instrumentenmacher und Klarinettisten Jochen Seggelke über die angeblich älteste Klarinette der Welt. Diese war in der Ausstellung zu sehen (als Leihgabe des Museums in Berkeley, Kalifornien), ihre Form und Bauart lassen jedoch Zweifel an ihrer Herkunft aufkommen.

Vor unserem Konzert präsentierte noch die Klasse Prof. Halevi aus Trossingen einige zeitgenössische Stücke auf sehr hohem Niveau. Bei „Twist and Shout“ von Niklas Sivelöv gab es sogar die Kombination einer Tänzerin mit einer Klarinettistin.

Dann begann unser Programm mit dem Titel

„Klarinette – „Wien-ternational“.

Den Auftakt bildete das „Tema con Variazioni“ von Jean Françaix, gespielt von Thomas Fichtinger. Dieser meisterte alle Hürden des schwierigen Stückes bravourös und er erzielte einen sehr großen Erfolg. Sonja Hochgötz tat es ihm mit dem „Duo Concertant“ von Francis Burt gleich, auch sie brillierte mit sicherer Technik und dunklem Ton. Sandra Jost begleitete wie immer sicher und effektvoll, bei dieser schwierigen Literatur keine leichte Aufgabe. Als Abschluß spielten die beiden Klarinettisten dann noch Teile der „Serenade“ für zwei Klarinetten von Michael Kibbe. Das waren Tänze in verschiedenen Stilen, darunter Blues und Tarantella.

Dieser letzte Programmteil bildete einen scharfen Kontrast zur sehr ernsthaften Musik von Francis Burt. Unsere beiden Virtuosen spielten mit vollem Einsatz und großem Engagement. Der Erfolg, den sie hatten, war sehr verdient. Von vielen Seiten wurde der schöne Klang und die gute Intonation gelobt, vor diesem Fachpublikum eine schöne Belohnung unserer Arbeit. Das Ziel unserer Reise, die Klasse und damit das Konservatorium Wien vor einem kritischen (Fach-) Publikum auf hohem Niveau zu präsentieren, ist auf jeden Fall gelungen.

Unsere Literaturauswahl hatte ihren Schwerpunkt auf Stücken, die nicht direkt aus dem Umfeld der Wiener Klarinettenschule stammten. Ganz im Gegenteil kommen die Komponisten unseres Konzertes aus Frankreich, England und Amerika, deswegen auch der Titel „Wien-ternational“. Einzig die Lehrtätigkeit von Francis Burt an der Wiener Musikhochschule bildete unseren Heimatbezug. Wir wollten die Wiener Klarinette sozusagen einmal abseits der vertrauten Pfade vorstellen.

Nach unserem Konzert spielten dann Teilnehmer der Stockhausen-Kurse Werke von Karl Heinz Stockhausen (In Freundschaft, Der kleine Harlekin, u. a.). Dieses Konzert konnten wir leider nicht mehr hören, da unser Zug retour nach Wien schon wartete. Als Abschluß dieses Tages spielte dann die „Vienna Clarinet Connection“ das Abendkonzert. Dieses war, wie mir berichtet wurde, ein großer Erfolg, das Programm bestand aus Werken von Kukelka, Curtis und Mendelssohn-Bartholdy. Auch die Ensemblemitglieder Helmut Hödl und Wolfgang Kornberger steuerten Kompositionen bei, ein Weg, der in der Tradition der komponierenden Virtuosen des 19. Jahrhunderts steht, und sehr zu begrüßen ist.

Abschließend möchte ich mich nochmals bei der DKG für die Organisation des Symposiums bedanken, es war eine sehr interessante und gelungene Veranstaltung. Ebenso danken möchte ich meinen Schülern Sonja Hochgötz und Thomas Fichtinger sowie unserer Korrepetitorin Sandra Jost für ihre Bereitschaft zur Mitwirkung beim Konzert. Und nicht zuletzt ein nochmaliges Danke an das Konservatorium, das dieses Sonderprojekt ermöglicht hat.

Heinrich Grenser Dresden (Crusell), Griesling &Schlottz (HJ Bärmann), Streitwolf (Hermstedt), Prestel Verlag, ISBN 3-7913-3180- 9, Faszination Klarinette, 30 €

 


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