Gender and violence

Geschlecht und Gewalt

„Der Mann ist das, was abbildet, die Frau ist das, was abgebildet ist.“
 

Elfriede Jelinek in: Von Natur aus sind...
 
Der Forschungsschwerpunkt Geschlecht und Gewalt widmet sich einem zentralen Aspekt im Werk Elfriede Jelineks: Der Verbindung von Geschlecht/Gender und Gewalt. Narrative von Geschlecht und seine Gewaltförmigkeit, speziell in Zeiten von Neokonservatismus und -liberalismus sowie Rechtspopulismus, werden ebenso untersucht wie Fragen nach struktureller, psychischer, physischer und sexualisierter Gewalt sowie nach Ausbeutungs-, Verdrängungs- und Marginalisierungsmechanismen aufgrund der Kategorie Geschlecht.

Das Projekt Geschlecht und Gewalt startet mit mit einer prozesshaft strukturieren Arbeitsgruppenphase, in der zentrale Positionen Elfriede Jelineks herausgearbeitet und an aktuelle Fragestellungen angebunden werden. Die Arbeitsgruppen setzen sich aus Mitgliedern der Universität Wien, der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, International Scientific Partners des Interuniversitären Forschungsverbunds sowie weiteren Expert*innen und Kooperationspartner*innen zusammen.
 
Nachdem in der vorbereitenden Arbeitsgruppe zentrale Positionen Jelineks zum Thema präsentiert und aufbereitet werden, fragt der erste Arbeitsschwerpunkt des Forschungsprojekts nach den Narrativen von Geschlecht in neokonservativen und rechtspopulistischen Gesellschaften.
Ausgehend von Jelineks Texten wird u.a. nach der Gewaltförmigkeit des Diskurses gefragt: Wer ist Subjekt, wer Objekt des (gesellschaftlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen) Diskurses? Mündet die zeitgenössische Tendenz zur Entdifferenzierung zwingend in Gewalt bzw. Durchsetzung des „Männlichen“? Wie prägt die neokonservative Bewegung neue Narrationen von Weiblichkeit (Mutterschaft, Partnerschaft, Körperpolitik) und instrumentalisiert diese? Und was bedeuten diese Narrative für das Bild der Frau als Künstlerin, speziell als Musikerin, in einer immer noch vom männlichen Genie-Mythos dominierten Disziplin?
 
Der zweite Arbeitsschwerpunkt untersucht die unterschiedlichen Ausprägungen von struktureller, psychischer und körperlicher/sexualisierter Gewalt und in welcher Relation sie zur Kategorie Geschlecht stehen. Forschungsfragen sind hier, ausgehend von Elfriede Jelinek, u.a.: Wie lässt sich „Gewalt“ gegenüber Frauen, auch in unterschiedlichen politischen Systemen, definieren? Welche kulturellen und/oder gesellschaftlichen Vorstellungen legitimieren Gewaltverhältnisse gegenüber Frauen bzw. anderen vermeintlich unterlegenen Personengruppen? Bei welchen konkreten patriarchalen Bildern muss angesetzt werden, um Gewaltverhältnisse bekämpfen zu können? Und wie könnte ein Narrativ der Geschlechter aussehen, ohne die Gewalt zu reproduzieren? 
 
Der dritte Arbeitsschwerpunkt des Projekts fokussiert, ausgehend von Jelinek-Werken, auf Fragen der Kapitalisierung, Ausbeutung und Marginalisierung von Frauen(-körpern). Zentrale Fragen sind hier: Wie spiegeln sich bestimmte, von Jelinek dargestellte hierarchische Geschlechtsnarrative in Ausbeutungsmechanismen? Wie hängen ökonomischer Misserfolg/Prekariat und männliche Gewaltausübung (gegen Frauen) zusammen? Hier wird vor allem auch die globale Dimension der Ausbeutungs- und Verwertungsstrukturen thematisiert.
 
Methodisch setzt der Forschungsschwerpunkt auf prozesshafte Abläufe und wissenschaftlich-künstlerische Arbeitsgruppen sowie interdisziplinäre und internationale Symposien und Workshops mit dem Ziel, innovative Forschungspositionen und experimentelle Forschungsformate und -ansätze an den Schnittstellen von Wissenschaft und Kunst voranzutreiben.
 
Die Ergebnisse der Projektarbeiten werden laufend im Open Access auf der Homepage des Interuniversitären Forschungsverbunds Elfriede Jelinek sowie auf dessen Portal zu Wissenschaft und Kunst öffentlich gemacht. 
 

DIE DREI ARBEITSSCHWERPUNKTE

1. NEOKONSERVATIVE NARRATIVE

2. STRUKTURELLE GEWALT

3. AUSBEUTUNG.MARGINALISIERUNG.VERDRÄNGUNG


KOOPERATIONSPARTNER DES PROJEKTS

Neben seinem zentralen Kooperationspartner, dem Elfriede Jelinek-Forschungszentrum, wird das Projekt in Kooperation mit folgenden Institutionen durchgeführt:

  • Central European University Vienna
  • Salzburger Festspiele
  • Kunsthistorisches Museum Wien
  • Literaturarchiv Salzburg
  • Fachbereich Germanistik, Paris Lodron Universität Salzburg
  • Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden
  • Hochschule für Musik, Freiburg im Breisgau
  • Instytut Filologii Germańskiej, Abteilung für Deutschsprachige Medien und Österreichische Kultur,
  • Uniwersytet Łódzki, Polen
  • Instytut Germanistyki, Uniwersytet Warszawski, Polen
  • School of Modern Languages, Georgia Institute of Technology, USA