Förderstipendien der Stadt Wien vergeben

21.03.2018 Schauspiel Tanz Wissenschaft und Forschung
Foto: Viktoria Hofmarcher
Foto: Viktoria Hofmarcher

Philipp Manuel Gutmann, Monika Demmer und Jakob Egger erhalten für ihre Bachelor- und Masterarbeiten jeweils ein Stipendium der Stadt Wien.

Die wissenschaftlichen Abschlussarbeiten der drei MUK-AbsolventInnen wurden von der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA7), Geschäftsgruppe Kultur und Wissenschaft, mit je einem Stipendium im Wert von EUR 1000,- ausgezeichnet.
 

Über die PreisträgerInnen und ihre Arbeiten:

PHILIPP MANUEL GUTMANN

Vergessen im Exil – Wilhelm Grosz und sein genreübergreifendes Schaffen. Ausarbeitung einer musikalischen Edition am Beispiel der Bänkel und Balladen Op. 31 (Masterarbeit, Oktober 2017)

Studiengang: Musikleitung und Komposition
Betreuung: Susana Zapke

Im Fokus dieser Masterarbeit stand das Schaffen des Komponisten Wilhelm Grosz (1894–1939), der zu jener Generation Wiener KomponistInnen der Zwischenkriegszeit zählte, die durch das Aufkommen faschistischer Ideologien ab den 30er Jahren sukzessive verdrängt wurden und nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit gerieten. Neben fundamentaler Forschungsarbeit zum Leben und Wirken Grosz‘ wurde ebenso die Erstellung einer historisch-kritischen Edition thematisiert. Ziel dieser Arbeit war es auch, in Kooperation mit der Universal Edition Wien eine repräsentative Komposition von Wilhelm Grosz, in diesem Fall die Bänkel und Balladen op. 31 (1931), zu edieren und eine historisch-kritische Edition vorzubereiten.

Philipp Manuel Gutmann ist ein 1993 im niederösterreichischen Zwettl geborener Komponist, Musikwissenschafter und Notator. Aufgewachsen in Herzogenburg begann er mit neun Jahren Violine, später auch Tenorsaxophon und Klavier zu erlernen. Durch diese Konstellation kam er früh in Berührung mit Kirchenmusik, der traditionellen Blasmusik und der klassischen Standardliteratur. Nach Abschluss des Bachelorstudiums der Komposition im Jahr 2015 begann er neben dem Masterstudium der Komposition an der MUK ebenso ein Masterstudium der Musikwissenschaft an der Universität Wien. Im selben Jahr wurde ihm ein Startstipendium für Musik und darstellende Kunst des Bundeskanzleramtes Österreich zugesprochen. Im Jahr darauf erhielt er für seine Bachelorarbeit ein Wissenschaftsstipendium der Kulturabteilung der Stadt Wien. Außerdem erhielt er 2016 ein Mobilitätsstipendium der Zürcher Hochschule der Künste sowie ein Leistungsstipendium der Universität Wien. 2017 schloss er sein Masterstudium der Komposition an der MUK mit Auszeichnung ab. Von 2017 bis 2018 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wissenschaft und Forschung der MUK und ist zudem freier Mitarbeiter der Wiener Verlage Universal Edition und Kliment Verlag.

 

MONIKA DEMMER

Unterbrechungen – Versammlungen – Utopisches. Das Politische in der zeitgenössischen darstellenden Kunst am Beispiel von Anna Mendelssohns Performance Cry me a river (Bachelorarbeit, November 2016)

Studiengang: Tanz
Betreuung: Andrea Amort

Wie klar müssen politische Aussagen in der Kunst heutzutage formuliert werden, um gehört zu werden? Wen erreichen diese Botschaften überhaupt?
Kann Kunst mehr als bloß ein Spiegel der brennenden politischen Themen unserer Gegenwart sein?
Die Arbeit ist ein Versuch, sich diesen komplexen Fragen zum Verhältnis Politik und Kunst anzunähern. Dazu werden die Möglichkeiten dieser Auseinandersetzung ebenso wie ihre Stolperfallen und Reibungspunkte beleuchtet. Der aktuelle Diskurs wird durch Zitate von Theaterschaffenden, KritikerInnen und PhilosophInnen skizziert und von der Autorin reflektiert. Die Analyse von Mendelssohns Performance bildet dabei eine Klammer um dieses umfassende Themengebiet.

Monika Demmer wurde 1991 in Wien geboren. 2017 schloss sie das Bachelorstudium Zeitgenössische Tanzpädagogik an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien ab. Neben ihrer tänzerischen Ausbildung erhielt sie Instrumentalunterricht (Violine, Viola) am Haydn Konservatorium und der MUK.
Zahlreiche Workshops in den Bereichen Zeitgenössischer Tanz, Performance und Choreographie bei Will Rawls, Kira Kirsch, Lisa Hinterreither, Tugce Tuna, Kun-Chen Shih, Eric Franklin und weiteren ergänzten ihr Studium. Als Tänzerin war sie unter anderem in Stücken von Willi Dorner (living room, 2015) und Doris Uhlich (SIROD, 2012) zu sehen. 2015 bis 2016 arbeitete sie als choreographische Assistentin der AGE COMPANY unter der Leitung von Nicole Berndt-Caccivio. 
Ihre Choreographie Bad Fairytales Have Open Endings, eine künstlerische Reflexion zu den Reaktionen auf die Flüchtlingswelle 2015, gewann einen Hauptpreis bei dem 14. Fidelio-Wettbewerb und wurde mit einem Stipendium ausgezeichnet. Im Februar 2018 entwickelte sie im Rahmen der CASA NA ILHA ART RESIDENCY in São Paulo, Brasilien, den choreographischen Experimentalfilm escapism, der sich mit Transkulturalität und ihren Hürden beschäftigt.
Derzeit ist sie ehrenamtlich bei der WIENER PERSPEKTIVE engagiert, eine Plattform von Wiener KünstlerInnen für Wiener KünstlerInnen der freien Kunst und Performance Szene zur Verbesserung der aktuellen Lohn- und Arbeitssituation und der Kommunikation zwischen Kunstschaffenden und Politik.
 

JAKOB EGGER

Theater vs. Facebook – Theater als Ort der Öffentlichkeit. Eine Untersuchung zur Verarbeitung und Rezeption der Historie im Theater (Bachelorarbeit, Februar 2017)

Studiengang: Schauspiel
Betreuung: Karoline Exner, Edwin Vanecek

Wer entscheidet, was in den Lehrplan kommt, also was geschichtlich offiziell geschehen ist? Können historische Ereignisse überhaupt korrekt widergegeben werden? Wer schreibt unsere Geschichte? Welche Rolle kann das Theater dabei einnehmen?
Immer schon wurde Geschichte zurechtgerückt, verfremdet, wurden Dinge ausgespart. Menschen beobachten, erzählen, vergessen, manipulieren. Jeder Geschichtsschreiber schlägt notwendigerweise eine Interpretation der Vergangenheit vor und stellt Zusammenhänge und Kausalitäten her. Für das Funktionieren unserer Gesellschaft ist es notwendig, als Öffentlichkeit einen Konsens zu finden. Nur wie findet man diesen? Kann es die eine richtige, objektive Geschichtsschreibung überhaupt geben? Wie sehr lenken politische Interessen und Ziele die Geschichtsschreibung und -verbreitung? Wie können sich verfeindete Parteien auf eine Version einigen? 
Nach Antworten zu diesen Fragen und welche Rolle dem Theater als Ort einer Öffentlichkeit zukommen kann, sucht Jakob Egger in seiner Abschlussarbeit und begegnet dabei Hannah Arendt, Friedrich Schiller, William Shakespeare, Milo Rau und vielen anderen.

Jakob Egger, geboren 1990 in Innsbruck, studierte von 2010 bis 2013 Bühnen- und Filmgestaltung in der Klasse von Bernhard Kleber an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Von 2013 bis 2017 absolvierte er sein Schauspielstudium an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien. Während seiner Studienzeit arbeitete er an Produktionen der Wiener Festwochen, des Volkstheater Wien und der Theaterakademie August Everding mit.
Nach einem Gastengagement im Sommer 2016 beim Festival d’Avignon trat er in das 
Schauspielensemble des Theater Ulm ein und ist seither dort beschäftigt.


Herzlichen Glückwunsch!

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